Skip to main content

Das Fachgebiet "Zahnärztliche Prothetik"

Das Fachgebiet Zahnärztliche Prothetik oder auch Zahnersatzkunde genannt ist ein Teilgebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Es beschäftigt sich zwar mit dem Ersatz von Zähnen oder von Zahnanteilen doch geht die Bedeutung darüber hinaus. Die Zähne erfüllen nicht nur die alltäglichen Aufgaben wie Abbeißen/Essen und Sprechen. Sie tragen auch bei der Wahrnehmung dieser eben genannten Funktionen und zu unserem äußeren Erscheinungsbild - und so zu unserem Wohlbefinden - bei. Da nicht zuletzt viele emotionale Regungen und vor allem Stress auch über die Zähne abreagiert werden entsteht nicht nur zusätzliche Belastung für Zähne und Zahnersatz, sondern es kann auch zu Kiefer-, Kopf- und Gesichtsschmerzen führen (sog. Funktionsstörungen). Deshalb bekommt die Zahnärztliche Prothetik/der Zahnersatz eine deutlich umfassendere Bedeutung, als man es beim ersten Blick/Gedanken vermutet.

Fehlende Zähne können auf verschiedene Art und Weise ersetzt und befestigt werden. Dabei unterscheiden wir grundsätzlich drei verschiedene Gruppen:

Festsitzenden Zahnersatz
Dieser Zahnersatz wird (für Patienten nicht herausnehmbar) an Zähnen oder Implantaten (künstliche Zahnwurzeln) befestigt.Als Materialien kommen hierfür Metalle/ Legierungen, Keramiken/ Gläser oder Kombinationen von beiden zur Anwendung.

In der Zahnärztlichen Prothetik werden auch kleinere, sogenannte Teilrestaurationen angefertigt Diese ersetzen nicht ganze Zähne, sondern Zahnanteile bis hin zur vollständigen Zahnkrone. Bei diesen sogenannten Teil-/Restaurationen handelt es sich um Inlays, Teilkronen, Veneers/Verblendschalen sowie letztendlich Kronen. Alle diese sogenannten „Zahnrestaurationen“ können aus Metall (häufig aus Gold- oder Cobalt-Chrom-Molybdän-Legierung) oder Glas-/Keramik sowie aber auch aus Verbindungen der beiden eben genannten Materialien hergestellt werden.

Herausnehmbarer Zahnersatz
Bei diesem, im Vergleich zu dem vorher und dem nachher genannten Zahnersatz "einfacheren Form" handelt es sich um Klammerprothesen, die an vorhandenen Zähne befestigt werden, oder um Vollprothesen, die im zahnlosen Kiefer eingesetzt werden und nur auf der Schleimhaut bzw. dem darunter befindlichen Kieferknochen aufliegen.

Kombiniert festsitzend/herausnehmbarer Zahnersatz
Bei diesem Zahnersatz sitzen Anteile fest (für Patienten nicht herausnehmbar) an Zähnen oder/und Implantaten. An diese sog. Befestigungselemente wird der herausnehmbare Teil des Zahnersatzes befestigt. Die im Munde fest verbleibenden Anteile des Zahnersatzes können aus sogenannten Doppelkronen (Telekope), Kronen mit Geschieben sowie aus Stegen bestehen.Am herausnehmbaren Teil des Zahnersatzes befinden sich Konstruktionselemente, die beim Einsetzen in den Mund sich auf mechanischem Wege mit den dort vorhandenen Befestigungselementen so verbinden, dass sie selbst bei starken Kaubelastungen oder aber auch beim Verzehr klebriger Speisen wie aber auch bei extremen Mund- und Zungenbewegungen sich nicht lösen oder gar herausfallen.

Diese genannten Zahnersatzformen variieren in Größe, Form, Erscheinungsbild und auch Kosten.

Zusammenarbeit mit dem Zahntechnischen Labor

Zur Herstellung von Zahnersatz/ Restaurationen ist die Zusammenarbeit mit einem Zahntechnischen Labor zwingend notwendig. Durch diese erforderliche „Teamarbeit“ ergeben sich Konsequenzen für die Inhalte/ Abläufe der Behandlungsmaßnahmen (z.B. Anzahl der Besuche) wie aber auch für die Kosten der Behandlung. Behandlungskosten setzen sich immer aus dem Zahnärztlichen Honorar sowie aus den Material- und Laborkosten zusammen.

zum Behandlungsspektrum der Poliklinik...

Um die verschiedenen Versorgungsformen herzustellen und dauerhaft tragen zu können, kommen unterschiedliche Materialien (Metalle/ Legierungen, Keramiken, Kunststoffe, Zemente) sowie Technologien (CAD/CAM, 3D-Druck, digitaler Abdruck) zum Einsatz. Daher beschäftigt sich die Zahnersatzkunde auch ganz wesentlich mit der sogenannten Werkstoffkunde und Biomaterialien. Hierbei ist deren kurzfristiges (sechs Monate bis zwei Jahre) sowie langfristiges (mehr als zehn Jahre) Verhalten im Patientenmund und in Funktion von Interesse.

Studienzentrale "Medizinprodukte" am Universitätsklinikum Tübingen

Sektion "Medizinische Werkstoffkunde & Technologie" (Leiter: Prof. Dr. rer. nat. Geis-Gerstorfer)

Die Lebensdauer von Zahnersatz ist in der Regel auf acht bis zehn Jahre angelegt. Häufig funktionieren Zahnersatz bzw. Restaurationen auch hervorragend über 15 bis 20 Jahre. Wesentlich beeinflußen tägliche Belastungen das „Überleben“ von Zahnersatz. Dazu zählen hauptsächlich beim Essen mechanische Belastungen und beim Trinken chemische Belastungen mit verschiedene Säuren (Cola, Fruchsäfte, Wein). Hinzu kommen heutzutage vermehrt durch Stress bedingte mechanische Belastungen wie Knirschen und Pressen (ca. 50kg), welche wesentlich höher sind als beim Kauen (ca. 5 kg). Allgemeinerkrankungen und Medikamente können auch dazu führen, daß sich der Speichel und/oder das Zahnfleisch verändert.

Ein ganz entscheidender Einflussfaktur ist bakterielle Belastung der Mundhöhle. Diese Besiedelung unterscheidet sich von Patient zu Patient stark in der Agressivität - umso wichtiger ist daher eine geeignete Mundhygiene. Da trotz aller Bemühungen des Patienten bei der Mundhygiene diese Einflussfaktoren bestehen bleiben ist eine konsequente Nachsorge mit sog. Professioneller Zahnreinigung dringlich zu empfehlen.

Neben dem Zahnersatz selbst können auch die o.g. Implantate durch selbige Einflüsse in Mitleidenschaft gezogen werden. Um diese herum kann eine Entzündung im Gewebe entstehen (Periimplantitis), die unbehandelt zum Verlust des Implantats und damit häufig auch zum Versagen des Zahnersatzes führt. 

Langzeitbeobachtungen an der Poliklinik

Zusätzlich vorher genannten mechanischen und chemischen Einflüssen kommen Umbauprozesse von Knochen und Schleimhaut hinzu, die vorhandene Zähne oder/und den Zahnersatz gefährden können. Deshalb kann in der regelmäßigen Nachsorge/ Kontrolle mit einem individuellen Prophylaxekonzept auch eine Kontrolle der verbliebenen Zähne und des Zahnersatzes durchgeführt werden. Auf diesem Wege können drohende Frühschäden/ Veränderungen rechtzeitig festgestellt und vermieden/ behoben werden und der Zahnersatz funktioniert länger, besser bzw. die Zähne bleiben länger gesund. Hierbei kann auch die Anpassung des Zahnersatzes eine ganz wichtige, unerlässliche Maßnahme sein. 

Die Nachsorge berücksichtigt auch immer den allgemeinmedizinischen Zustand (Diabetes, Medikamente, Erkrankungen die den Bewegungsappart betreffen wie etwa Arthrose, Parkinson, Rheuma)

zur Prophylaxe und Nachsorge an der Poliklinik

Die Diagnostik und Therapie von sog. Funktionsstörungen (in der Zahnmedizin) ist ein Teilbereich der Zahnersatzkunde. Die Funktionslehre beschäftigt sich damit funktionelle Probleme, die Schmerzen oder Missempfindungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich verursachen können, zu erkennen und mit zahnärztlichen (Schienen, Restaurationen) wie auch schmerztherapeutischen Hilfsmitteln (TENS, Medikamente) sowie in Kooperation mit anderen Fachgebieten (z.B. Physiotherapie, Neurologie) zu behandeln. Ein zunehmender Teil dieser Funktionsstörungen ist durch die gestiegenen Stressbelastungen (beruflich, privat) bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen (z.B. Burnout) vergesellschaftet.

zur Funktionssprechstunde der Poliklinik